Montag, 19. November 2012

Palästisrael - Bomben- und Raketentod

Mein Name ist Hamil, ich bin 12 Jahre alt und lebe in Palästina. Ich gehe hier zur Schule, die ganz in der Nähe ist, so dass ich zu Fuß dort hingehen kann. Am liebsten mag ich Mathematik. Ich habe nie verstanden, warum die Erwachsenen so gegen Israel sind. Sie schimpfen den ganzen Tag. Auch meine Klassenkameraden schimpfen. Ich schimpfe auch, weil es alle tun, auch wenn ich nicht weiß warum. Bis gestern. Da ist meine kleine Schwester gestorben. Direkt vor meinen Augen. Sie ist erst 5 und immer zappelig. Sie hat auf mich gewartet, dass ich von der Schule komme. Ich bin in unsere Straße eingebogen und habe sie schon rufen und winken sehen. Ich habe gelacht und zurückgewunken und zu Hakim, meinem Freund, gesagt, dass sie immer ein wenig spinnt und nervt.
Plötzlich explodierte das Haus gegenüber und man konnte ein Flugzeug über die Straße hinwegfliegen sehen. Ich wurde auf den Boden geworfen und Staub und Steine flogen auf mich drauf. Ich konnte kaum etwas hören, weil da so ein heller Ton in meinen Ohren war.
Dann hörte ich mit einem mal ganz viele Leute schreien. Ich habe auch geschrien, nach meiner Mama habe ich geschrien, weil ich Angst hatte. Überall war so viel Staub, dass man kaumwas sehen konnte, also bin ich aufgesprungen und in die Richtung gerannt in der unser Haus stehen müßte. Ich habe laut nach meiner Mama gerufen, damit sie weiß wo ich bin.
Vor der Tür zu unserem Haus lag ein Schuh. Der sah aus wie der von meiner Schwester. Aber er war rot, und meine Schwester hatte doch gar keine roten Schuhe. Ich suchte den Boden nach dem zweiten Schuh ab und habe meine Schwester auf dem Boden liegen sehen. Sie lag auf dem Bauch und ihr Kleid war ganz dreckig und Steine lagen auf ihr.
Ich habe die Steine weggeräumt und ihr den Schuh in die Hand gedrückt, aber sie wollte ihn nicht. Sie hat sich gar nicht bewegt, also habe ich sie angeschrien sie soll aufstehen.
Dann kam ein Krankenwagen und Leute haben mich gepackt und zu meinem Vater gebracht, der meine Mama anschrie, sie müsse das Bein meiner Schwester zwischen den Steinen finden.
Seit gestern habe ich Angst vor Flugzeugen und schimpfe auf Israel. Ich schimpfe weil sie meiner Schwester wehgetan haben, so sehr, dass sie nicht mehr aufwachen wollte.




Mein Name ist Benjamin. Ich bin 11 Jahre alt. Ich lebe in Jerusalem. Wir hatten nie Probleme mit den Palästinensern und meine Eltern meinen auch man müsse ihnen Land geben, weil sie ja auch irgendwo leben müssen.
In meiner Schule aber gibt es keine muslimischen Kinder. Und meine Klassenkameraden wollen auch mit keinem von denen spielen. Sie meinen die stinken und würden stehlen, weil sie ja nichts zu essen hätten und sich nicht waschen könnten.
Eigentlich gehe ich gerne zu Schule, weil man da viel Spaß haben kann. Und zuhause müßte ich ja doch nur abwaschen oder putzen. Aber gestern wollte ich nur nach Hause und habe ganz schrecklich nach meine Eltern geschrien. Wir hatten nämlich gerade Geschichte und plötzlich heulten Sirenen auf. Wir wissen natürlich was da passiert und sind sofort in die Schutzräume gegangen. Abe auf dem Weg dahin habe ich gesehen, wie Simon um eine Ecke gegangen ist, und nicht in die Schutzräume. Also bin ich ihm nachgegangen, weil ich ihn mitnehmen wollte. Ich weiß ja dass wir großen Ärger bekommen, wenn wir nicht das tun was der Lehrer sagt. Also bin ich um die Ecke gegangen und habe Simon gesehen, wie er sich gerade heimlich eine Zigarette angezündet hat. Ich wollte ihm noch zurufen, dass er doch bitte mit in den Keller kommen soll, aber plötzlich hate es so laut gekracht, dass ich ganz lange nichts mehr gehört habe. Ich habe nur gesehen, wie Simon durch die Luft geflogen ist. Es sah aus, als wenn er ganz langsam flog. Ich lief ihm hinterher und wollte sehen wo er wieder landen würde. Er ist mit seinem Kopf auf einem Stein aufgekommen, der vorher noch nicht da lag, und sein Bein lag ganz komisch da. Ich dachte noch das muß ihm aber weh tun und wollte ihm schon helfen, damit wir endlich in den Keller gehen konnten und unsere Krankenschwester sich sein kaputtes Bein anschauen könnte. Aber dann habe ich gesehen, dass ein Teil von seinem Gesicht nicht mehr da war. Da habe ich angefangen zu schreien und zu heulen.
Ich weiß nicht wie lange ich dagesessen habe und geheult habe. Mit einem mal war unser Lehrer da und hat mich in seinem Arme gedrückt.
Man hat mir gesagt, dass es Raketen aus Gaza waren. Ich habe Angst vor Palästinensern und weiß nun, dass sie stehlen. Sie stehlen Leben!

Freitag, 14. September 2012

Die Fliege des Tages

Aus dem Tagebuch der Eintagsfliege Balthasar:

Was ich heute könnt besorgen,
verschieb ich gern auch mal auf morgen.

Dienstag, 28. August 2012

Ein Wort zuviel


Nicht ein Schwert,
ein Messer gar,
auch kein Gewehr,
ein Wort es war.

Das tief mich traf
in mein Herz hinein
quälend, brennend,
der Schmerz, die Pein.

Unschuldig es ist,
klingt es so rein,
unbekümmert, spricht man es,
für sich allein.

Verzweiflung in seinem Schatten
drohend kriecht,
das Chaos, die Verdammnis,
nach Grauen es riecht.

Dieses kleine Wort,
dem Staate lieb und teuer,
für uns die Hydra,
- die Benzinsteuer.

Sonntag, 29. Juli 2012

Ein offener Brief an den Pabst

Sehr geehrter Herr Benedict,

ich bin ein durchaus gläubiger Mensch. Für mich selber weiß ich, dass Gott existiert. Vielleicht anders als von den diversen Kirchen und Religionen dargestellt, aber dennoch vornehmlich christlich. Und auch wenn ich schon einige Sommer habe kommen und gehen sehen, beschäftigt mich heute eine Frage noch immer sehr: Was genau ist der Sinn hinter dem Zölibat?
Ich bin mir duchaus bewußt, dass zu allen erdenklichen Zeiten und allen Religionen eine gewisse Askese dazu beitrug und beiträgt, den Geist auf eine bestimmte Aufgabe zu fokussieren oder sich von gewissem Balast zu befreien. Aber ist es nicht auch so, dass Gott sagte "Gehet hin und mehret euch!" und hat Gott als allmächtiges Wesen nicht den Menschen geschaffen, um Nachkommen in die Welt zu setzen? Ist es also nicht eigentlich der Schöpfung zuwider, wenn Menschen sich dem verweigern?
Als Argument wird oft ja angeführt, dass man sich ganz in den Dienst Gottes stellen möchte. Dass neben der Liebe zu Gott kein Platz ist, oder dass man außer der Liebe zu Gott keine weitere (körperliche) Liebe benötigt. Aber ist der Dienst an Gott nicht die Weitergabe seiner Liebe an seine Mitmenschen (nicht körperlich) und ist es nicht gegen den Plan Gottes, nur ihn zu lieben und nicht die eigene Umwelt mit ihren Geschöpfen? Ist es nicht gegen den Willen Gottes, nur ihn lieben zu können und zu wollen?
In einer Welt, in der Kinder schon Kinder bekommen. Eine Welt in der AIDS jährlich tausende von Todesopfern fordert und sich doppelt so viele neu anstecken. Eine Welt, in der Kinder oft zur Ware werden. Eine Welt, in der ihre Vorbilder Vorabendserien und POP-Sternchen sind. Die so verwirrend und groß ist, dass man nicht weiß wohin mit sich. Wäre es in so einer Welt, die sich so sehr von der unterscheidet wie sie vor 100 Jahren war, so sehr davon unterscheidet wie sie noch zu meiner Jugend war und sich so sehr davon unterscheidet wie sie in 20 Jahren sein wird, nicht besser als Kirche Verantwortung zu zeigen, Vorbildfunktion zu übernehmen?

„Die Kleriker sind gehalten, vollkommene und immerwährende Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen zu wahren; deshalb sind sie zum Zölibat verpflichtet, der eine besondere Gabe Gottes ist, durch welche die geistlichen Amtsträger leichter mit ungeteiltem Herzen Christus anhangen und sich freier dem Dienst an Gott und den Menschen widmen können.“
Codex Iuris Canonici

Kann sich ein Mensch frei von dem machen, was Gott uns als Geschenk gegeben hat? Kann er seine Natur unterdrücken um freier zu sein? Ist die besondere Liebe zu einem Menschen, mit dem man sein Leben teilt, nicht viel eher der Dienst an Gott? Die Liebe ist universell. Die Liebe zu Gott ist dadurch nicht minder, dass ich eine anderen Menschen liebe, denn sonst wäre die Liebe einer Ehefrau zu ihrem Mann auch dadurch geschmälert, dass sie ihre Kinder liebt. Vielmehr vertieft sie dieses Gefühl der Liebe mit einer unendlichen Dankbarkeit.
So frage ich denn aufrichtig: Warum das Zölibat?

Vielen Dank

Mein Name ist Legion

Mittwoch, 25. Juli 2012

Moral


Schreiend schweben
die Geier über der Stelle,
umkreisen den Ort
an dem es liegt
einem toten Vieh gleich
in der Wüste.
Verdurstend,
verdorrend,
verwesend.
Kaum mehr Kraft
voranzukommen,
kaum mehr Kraft
sich zu wehren.
In Fetzen hängend
und mit wunden Malen
bedeckt
winded es sich,
um dem Ort
seiner Vernichtung
zu entkommen.
Da erhebt sich
riesenhaft bis in den Äther
ein Schatten,
einem Titan gleich -
die Götter zermalmend.
Nur von weiteren Geiern
umschwirrt,
die auch vor dem Zyklopen,
aus schwarzem Stein,
nicht halt machen.
Belialisch lächelnd
schaut der Riese
auf den kleinen blassen Fleck
der auf heißer Erde,
staubig und rissig
flehend fast,
die Hände zum Himmel reckt.
Dann hebt sich
der schwarze,
monströse Fuß,
denn das Ego
hat heute beschlossen
die Moral
entgültig zu begraben.

Montag, 23. Juli 2012

Negoti(t)ans


Mit wortzerfetzenden Argumenten
Unfähigkeit kaschierend,
wohlgefällig und schulterklopfend
den Spiegel inspizierend,
eitel geschmückt,
mit faulen Lorbeeren,
gepudert mit Tod und fernab der Welt,
erschaffen sie Nichts,
mit Farben aus Knochen und Blut.
Lachen und verhöhnen,
in ihren Festungen aus Geld,
zerstören Länder und Menschen mit Papier
und feiern orgiastisch den eignen Gestank.
Verständnis suchend stehlen und plündern sie noch
die armen Kadaver ihrer Söhne und Töchter
um auch dem dümmsten Hund zu zeigen
wir sind die Herren
-weil wir es können!