Sonntag, 29. Juli 2012

Ein offener Brief an den Pabst

Sehr geehrter Herr Benedict,

ich bin ein durchaus gläubiger Mensch. Für mich selber weiß ich, dass Gott existiert. Vielleicht anders als von den diversen Kirchen und Religionen dargestellt, aber dennoch vornehmlich christlich. Und auch wenn ich schon einige Sommer habe kommen und gehen sehen, beschäftigt mich heute eine Frage noch immer sehr: Was genau ist der Sinn hinter dem Zölibat?
Ich bin mir duchaus bewußt, dass zu allen erdenklichen Zeiten und allen Religionen eine gewisse Askese dazu beitrug und beiträgt, den Geist auf eine bestimmte Aufgabe zu fokussieren oder sich von gewissem Balast zu befreien. Aber ist es nicht auch so, dass Gott sagte "Gehet hin und mehret euch!" und hat Gott als allmächtiges Wesen nicht den Menschen geschaffen, um Nachkommen in die Welt zu setzen? Ist es also nicht eigentlich der Schöpfung zuwider, wenn Menschen sich dem verweigern?
Als Argument wird oft ja angeführt, dass man sich ganz in den Dienst Gottes stellen möchte. Dass neben der Liebe zu Gott kein Platz ist, oder dass man außer der Liebe zu Gott keine weitere (körperliche) Liebe benötigt. Aber ist der Dienst an Gott nicht die Weitergabe seiner Liebe an seine Mitmenschen (nicht körperlich) und ist es nicht gegen den Plan Gottes, nur ihn zu lieben und nicht die eigene Umwelt mit ihren Geschöpfen? Ist es nicht gegen den Willen Gottes, nur ihn lieben zu können und zu wollen?
In einer Welt, in der Kinder schon Kinder bekommen. Eine Welt in der AIDS jährlich tausende von Todesopfern fordert und sich doppelt so viele neu anstecken. Eine Welt, in der Kinder oft zur Ware werden. Eine Welt, in der ihre Vorbilder Vorabendserien und POP-Sternchen sind. Die so verwirrend und groß ist, dass man nicht weiß wohin mit sich. Wäre es in so einer Welt, die sich so sehr von der unterscheidet wie sie vor 100 Jahren war, so sehr davon unterscheidet wie sie noch zu meiner Jugend war und sich so sehr davon unterscheidet wie sie in 20 Jahren sein wird, nicht besser als Kirche Verantwortung zu zeigen, Vorbildfunktion zu übernehmen?

„Die Kleriker sind gehalten, vollkommene und immerwährende Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen zu wahren; deshalb sind sie zum Zölibat verpflichtet, der eine besondere Gabe Gottes ist, durch welche die geistlichen Amtsträger leichter mit ungeteiltem Herzen Christus anhangen und sich freier dem Dienst an Gott und den Menschen widmen können.“
Codex Iuris Canonici

Kann sich ein Mensch frei von dem machen, was Gott uns als Geschenk gegeben hat? Kann er seine Natur unterdrücken um freier zu sein? Ist die besondere Liebe zu einem Menschen, mit dem man sein Leben teilt, nicht viel eher der Dienst an Gott? Die Liebe ist universell. Die Liebe zu Gott ist dadurch nicht minder, dass ich eine anderen Menschen liebe, denn sonst wäre die Liebe einer Ehefrau zu ihrem Mann auch dadurch geschmälert, dass sie ihre Kinder liebt. Vielmehr vertieft sie dieses Gefühl der Liebe mit einer unendlichen Dankbarkeit.
So frage ich denn aufrichtig: Warum das Zölibat?

Vielen Dank

Mein Name ist Legion

Mittwoch, 25. Juli 2012

Moral


Schreiend schweben
die Geier über der Stelle,
umkreisen den Ort
an dem es liegt
einem toten Vieh gleich
in der Wüste.
Verdurstend,
verdorrend,
verwesend.
Kaum mehr Kraft
voranzukommen,
kaum mehr Kraft
sich zu wehren.
In Fetzen hängend
und mit wunden Malen
bedeckt
winded es sich,
um dem Ort
seiner Vernichtung
zu entkommen.
Da erhebt sich
riesenhaft bis in den Äther
ein Schatten,
einem Titan gleich -
die Götter zermalmend.
Nur von weiteren Geiern
umschwirrt,
die auch vor dem Zyklopen,
aus schwarzem Stein,
nicht halt machen.
Belialisch lächelnd
schaut der Riese
auf den kleinen blassen Fleck
der auf heißer Erde,
staubig und rissig
flehend fast,
die Hände zum Himmel reckt.
Dann hebt sich
der schwarze,
monströse Fuß,
denn das Ego
hat heute beschlossen
die Moral
entgültig zu begraben.

Montag, 23. Juli 2012

Negoti(t)ans


Mit wortzerfetzenden Argumenten
Unfähigkeit kaschierend,
wohlgefällig und schulterklopfend
den Spiegel inspizierend,
eitel geschmückt,
mit faulen Lorbeeren,
gepudert mit Tod und fernab der Welt,
erschaffen sie Nichts,
mit Farben aus Knochen und Blut.
Lachen und verhöhnen,
in ihren Festungen aus Geld,
zerstören Länder und Menschen mit Papier
und feiern orgiastisch den eignen Gestank.
Verständnis suchend stehlen und plündern sie noch
die armen Kadaver ihrer Söhne und Töchter
um auch dem dümmsten Hund zu zeigen
wir sind die Herren
-weil wir es können!